Marxdorf

Wovon die Kirche zu Marxdorf erzählen kann…

Als der Bischof Heinrich von Lebus 1244 dem Templerorden den Zehnten über Besitzungen rund um Lietzen überträgt, findet sich in der Aufzählung der Orte das erste Mal der Name „Marquardstorp“. 1247 bestätigte Papst Innocenz IV. dieses Lehen. Sicherlich setzten die Templer alle Kraft daran, zügig ein Gotteshaus zu bauen, als Herz und Mittelpunkt und v.a. Schutz des Dorfes und seiner Bevölkerung. So wurde gegen ende des 13. Jahrhunderts die Kirche aus sehr sorgfältig behauenen Granitsteinen errichtet. Im Osten ziert sie ein quadratischer Chor, im Westen ein schlichter Turm. Begehbar war die Kirche damals durch das Portal in der Südwand, dessen Reste noch heute zu erkennen sind. Aus diesen ersten Tagen des Gebäudes stammt (vermutlich) das auffällige, schmale Fenster im Ostgiebel.

1318 gingen die Besitzungen der Templer, nach der Auflösung dieses Ordens, in das Eigentum des Johanniterordens über. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die letzte erhaltene der ursprünglich drei Glocken. Sie trägt die Inschrift: „O REX GLORIAE VENI CVM PACE“ Doch auch die Johanniter blieben nicht lange die Herren in Marxdorf. 1556, nachdem in Brandenburg schon der Funke der Reformation übergesprungen war, erhielt der Markgraf von Küstrin die Rechte über das Dorf. Marxdorf war filia der Pfarre zu Lietzen. Durch die gemeinsame Entstehungsgeschichte war das Dorf mit den umliegenden Siedlungen –Neuentempel, Dolgelin z. Bsp.- verbunden. 1624 lebten in dem 49 Hufen zählenden Dorf u.a. 11 Hüfner und 5 Kossäten.

Erst im 19. Jahrhundert konnten die Marxdorferinnen und Marxdorfer darangehen, ihrer Kirche allmählich ihre unverwechselbare Gestalt zu geben: 1848, im Revolutionsjahr, wurden der Kanzelaltar und die Emporen eingezogen. Das war, verglichen mit der Innenausstattung der Kirchen in den anderen Dörfern, eine großzügige Modernisierung. Infolge der Veränderungen nach 1871 konnte die Marxdorfer Gemeinde endlich ihren Traum erfüllen und ihre Kirche Schritt für Schritt mit dem imposanten Turm krönen. 1880 erhielt der Turm ein neues Uhrwerk, das nach liebevoller Restaurierung und durch gewissenhafte Betreuung heute wieder die Zeit anschlägt. Als Abschluß wurde 1895 die Turmgalerie errichtet, von der aus sich der Blick in die wunderschöne Umgebung öffnet. Ein Jahr vor der Jahrhundertwende erhielt der Umlauf die schmiedeeisernen Gitter.

Zu vielen   schönen, aber auch traurigen Anlässen haben die Glocken Menschen in die Marxdorfer Kirche gerufen. Das 20. Jahrhundert raubte der Kirche zwei Glocken und versetzte ihr durch die Kriege viele Wunden: Nachdem der Kirchturm im II: Weltkrieg beschädigt wurde, bauten ihn die Marxdorferinnen und Marxdorfer wieder auf. Am 15.01.1956 konnte das Gotteshaus wieder geweiht werden. Allerdings sind alle Sakralia (Leuchter etc.) und auch die Orgel im Zusammenhang des Krieges zerstört worden bzw. verloren gegangen.

Nachdem 1990 das Kirchdach neu eingedeckt und der Innenraum renoviert wurde, stellten sich 1994 gravierende Schäden am Turm und im Bereich des Kirchenschiffes heraus. Die Aufgabe, die Kirche zu retten, führte bald viele verschiedene Menschen zusammen: Am 23.08.1996 wurde der Förderverein „Alte Kirche  zu Marxdorf bei Seelow e.V.“ gegründet. Ab 1999 konnte die Sanierung beginnen, dank der Fördermittel des Landes Brandenburg, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landeskirche Berlin-Brandenburg, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler, der Kommune Marxdorf, des Kirchenkreises Oderbruch, dank der Eigenmittel des Fördervereines und der Kirchengemeinde sowie dem unermüdlichen Einsatz zahlreicher Helferinnen und Helfer. Die alte Dorfkirche erstrahlt nun wieder im alten Glanz, weithin sichtbares Zeichen des Glaubens.

Vielmehr noch können die Steine der Kirche erzählen, Geschichten von Menschen, die hier  Zuflucht und Trost, Stärkung und Freude gesucht und gefunden haben…

 

Ansprechpartner bei Besichtigungen:

Pfarramt, Rahel Charlotte Mielke, 033468935