﻿{"id":1145,"date":"2020-06-07T20:22:40","date_gmt":"2020-06-07T18:22:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lznt.de\/?p=1145"},"modified":"2021-02-20T19:25:59","modified_gmt":"2021-02-20T18:25:59","slug":"trinitatis-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/2020\/06\/07\/trinitatis-2020\/","title":{"rendered":"Trinitatis, 07.06.2020"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Spruch f\u00fcr die Woche:<\/strong><br><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Evangelisches Gesangbuch 139:<\/strong><em><br>1. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Sch\u00f6pfer, der mir hat mein\u2019 Leib und Seel gegeben, mein Vater, der mich sch\u00fctzt von Mutterleibe an, der alle Augenblick viel Guts an mir getan.<br><br>2. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich f\u00fcr mich gegeben, der mich erl\u00f6set hat mit seinem teuren Blut, der mir im Glauben schenkt das allerh\u00f6chste Gut.<br><br>3. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im 4. Buch Mose steht im 6. Kapitel (Verse 22-27):<\/strong><em><br>Und der&nbsp;HERR&nbsp;redete mit Mose und sprach:&nbsp;Sage Aaron und seinen S\u00f6hnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:&nbsp;Der&nbsp;HERR&nbsp;segne dich und beh\u00fcte dich;&nbsp;der&nbsp;HERR&nbsp;lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig; der&nbsp;HERR&nbsp;hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden.&nbsp;So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<br><br>an einem Morgen in Seelow fiel mir Folgendes auf: Ich verlasse die Zahnarztpraxis, und die sehr freundliche Mitarbeiterin hinterm Tresen verabschiedet mich mit einem heiteren \u201eTsch\u00fcssi!\u201c. Ich habe noch etwas im Amt zu erledigen, und die ausgesprochen fr\u00f6hliche Frau am Empfang ruft mir ein freundliches \u201eTschaui!\u201c hinterher. Am Ende meines Einkaufs h\u00f6re ich von der jungen Frau an der Kasse, super zurechtgemacht wie aus einem Style-Magazin, ein freundliches \u201eTsch\u00fcssi!\u201c.<br>Im ersten Moment muss ich l\u00e4cheln, dann bin ich verwundert: So viel Vertrautheit von Menschen, die mir eigentlich fremd sind! Wieder zu Hause angekommen, f\u00e4llt mir ein: Dieses Tsch\u00fcssi und Tschaui gibt es in vielen europ\u00e4ischen Sprachen, es ist sozusagen ein europ\u00e4ischer Gru\u00df. Ciao! Adieu! Adios! Pfiat di! Tsch\u00fc\u00df! Alle diese Gru\u00dfworte haben eine Grundbedeutung: \u201eGeh mit Gott! Beh\u00fct\u2018 dich Gott!\u201c Und jetzt freue ich mich: Die junge Frau an der Kasse, perfekt geschminkt und mit einer ph\u00e4nomenalen Hochsteckfrisur, verabschiedet sich von mir mit einem \u201eGeh mit Gott!\u201c Wer h\u00e4tte das gedacht\u2026<br>Fast jeder Gottesdienst endet mit \u00e4hnlichen Worten, n\u00e4mlich mit dem Segen aus dem 4. Buch Mose. An den wichtigen Punkten unseres Lebens wird uns dieser Segen pers\u00f6nlich zugesprochen. Bei der Taufe, der Konfirmation (oder mit dem sch\u00f6nen alten Wort: der Einsegnung), der Trauung, der Einf\u00fchrung der Kirchen\u00e4ltesten: Immer wird der Segen einem Menschen zugesagt. Und selbst das letzte Wort, das \u00fcber einen Menschen auf dieser Erde gesprochen wird, ist ein Segen: Die Aussegnung bei der Beerdigung. Segen auf Schritt und Tritt.<br>Meistens ist die Hand im Spiel, die Segenshand (Nebenbei: eine Hand hat 5 Finger, und 5 Komponenten sind wichtig am Segnen):<br>Wir segnen, indem wir einem anderen Menschen die H\u00e4nde auflegen, einander die H\u00e4nde reichen (zurzeit freilich eher symbolisch), einem Menschen ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Segen hat ganz wesentlich etwas mit N\u00e4he zu tun. Mit Gottes N\u00e4he. Segen l\u00e4sst mich k\u00f6rperlich sp\u00fcren: Gott ist in meiner N\u00e4he, st\u00e4rkt mir den R\u00fccken, h\u00e4lt mich an der Hand.<br>Ich schreibe dies und merke schon: Segen ist keine Wohltat, die wir einander zukommen lassen. Segen kommt direkt von Gott. Wir geben ihn weiter. Die Post ist von Gott, dem barmherzigen, wir sind (nur) die Brieftr\u00e4ger\/innen.<br>Und so, wie jede\/r von uns den Beruf des\/der Brieftr\u00e4gers\/in ergreifen kann, k\u00f6nnen wir auch alle den Segen weitergeben. Im ersten Testament segnen V\u00e4ter ihre S\u00f6hne. Martin Luther, dieser Familienmensch, segnete seine Kinder jeden Abend. Ein Kirchen\u00e4ltester hatte am Ende der Sitzungen, der Seniorenkreise, der Proben immer das letzte Wort: \u201eGottes Segen auf euren Heimwegen.\u201c Mit dem Einandersegnen sollten wir richtig verschwenderisch sein!<br>An diesem Finger der Segenshand ist auch gut zu erkennen: Wir k\u00f6nnen uns nicht selbst segnen. Ihr k\u00f6nnt es ja einmal ausprobieren: Hand auf den eignen Kopf und sich selbst ein Segenswort sagen. Irgendwie geht das gar nicht. Zum Segen geh\u00f6rt, dass ich gesegnet WERDE. Mir f\u00e4llt auf: Die Dinge, die mich st\u00e4rken, meinen Glauben st\u00e4rke, die kann ich alle nicht selbst \u201emachen\u201c: Ich kann mich nicht selbst taufen, mir nicht selbst das Abendmahl reichen, mich nicht selbst segnen. Immer brauche ich einen anderen Menschen dazu. Das ist schon etwas schwierig; denn wir haben ja gerne die Dinge selbst in der Hand. Doch wenn ich mich auf das Gesegnetwerden einlassen kann, die H\u00e4nde \u00f6ffne, den Kopf still halte, dann sp\u00fcre ich: Es eine Wohltat!<br>Der Segen in unseren Gottesdiensten schlie\u00dft mit dem Wort \u201eFrieden\u201c. Das wunderbare hebr\u00e4ische Wort l\u00e4sst sich mit einem einzigen deutschen Wort nicht einfangen, eher mit einem Satz, z. Bsp.: Frieden ist das, was Dich zufrieden macht. \u201eGott gebe dir Zufriedenheit.\u201c Mit diesem Wunsch schlie\u00dfen unsere Gottesdienste. In den vergangenen Wochen war\/ist Vieles in unserem Alltagsleben beschr\u00e4nkt und eingeschr\u00e4nkt, gef\u00e4hrdet und ungewiss. Ich glaube, wir haben in dieser Zeit deutlich gesp\u00fcrt, wie wichtig es ist, in allem zufrieden zu sein \u2013 und wie schwierig es ist, zufrieden zu sein. Und so ist in diesen Tagen der beste Wunsch, den wir einander mitgeben k\u00f6nnen: Gott schenke dir, dass du zufrieden sein kannst.<br>Und all\u2018 das, diese 5 Komponenten des Segens, diese 5 Finger an der Segenshand, all\u2018 das steckt in dem l\u00e4ssig-fr\u00f6hlich hingesprochenen \u201eTsch\u00fcssi!\u201c. Ich schlie\u00dfe mich gerne der Mitarbeiterin an der Kasse an und gr\u00fc\u00dfe Euch bis zu einem Wiedersehen in unseren (kurzen) Gottesdiensten mit einem herzlichen \u201eTsch\u00fcssi! Adieu! Pfiat di!\u201c,<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/grafik.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1025\" width=\"154\" height=\"49\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pfarrerin Rahel Charlotte Mielke<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Guter Gott,<br>der Gesang deiner Gesch\u00f6pfe, die Ruhe des Sonntags, die Verbundenheit mit Schwestern und Br\u00fcdern \u00fcber alle Abst\u00e4nde hinweg \u2013 so vieles ist Segen in unserem Leben. Wir halten unsere Seelen in den warmen Klang deines Segenswortes und werden gest\u00e4rkt. Danke! Hilf uns, den Segen weiterzutragen an die zahllosen heillosen Orte.<br>Amen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,6],"tags":[],"class_list":["post-1145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-andachten","category-wort-zum-sonntag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1145"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1361,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1145\/revisions\/1361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lznt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}